Angekommen (Anne IX)

Angekommen. Angekommen war Anne noch lang nicht. Nun war sie schon eine ganze Weile an diesem Ort, er war ihr Zuhause geworden. Und doch dachte sie wieder darüber nach wegzugehen, weiter weg denn je. Dabei war sie gar keine Wanderin. Sie fühlte nur tief in ihrem Inneren, dass dies nicht der Ort war, der sie halten könnte. Da fehlte was. Etwas, was keinen Namen trug. 

Anne (VI)

Ankommen ist das nur ein Wort, oder kann man es wirklich erreichen.

Ankommen. Anne dachte das Wort langsam und wog es in Gedanken hin und her. Es war ein leichtes Wort, aber mit einem schweren Grund. Wie ein Drache, der im Wind flog, aber an einem Band festgehalten wurde – oder wie ein großer Baum, dessen frühlingsgrüne Blätter im Wind rauschten, aber erst die Wurzeln gaben ihm festen Stand. All die Bilder, die Anne einfielen, hatten mit Wind zu tun. War der Wind gar der entscheidende Grund anzukommen? Der Wind, der so frei ist, der den Regen antreibt, die Wellen auf dem Meer anschiebt und der Anne durchs Haar weht? Kommt der Wind denn je irgendwo an?
Vielleicht, dachte Anne, hat das Gefühl vom Ankommen gar nichts mit dem Ankommen zu tun. Vielleicht hat ankommen eher mit sich selbst zu tun – mit „bei sich sein“.
Anne nippte an ihrem Cappuccino, da kam ihr in den Sinn: War es nicht auch ankommen, wenn sie mit vollem Genuss diesen Cappuccino trank? Und genau jetzt war sie in diesem Moment angekommen.

Das Leben würde sie immer wieder hinfort wehen und dann würde sie dem Wind zuhören und wissen – er wird sie begleiten.

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