Heute

Heute, hat er gesagt. Sie schaute in ihrem Kalender nach. Denn es war Abend geworden und noch keine Spur von ihm.‬
‪Heute, hat er gesagt. Sie erinnerte sich genau. Doch niemand kam. Auch das Telefon blieb still.‬
‪Heute, hat er gesagt. Vielleicht morgen, hofft sie.

#frapalymo

Morgen

Fenster putzen.‬
‪Zur Post gehen.‬
‪Sport machen.‬
‪Mutter anrufen.‬
‪Pflanzen gießen.‬
‪Wäsche bügeln.‬
‪Morgen, sagte sie.‬

‪#frapalymo

Drei

1
Frühling. Die Vögel zwitscherten wieder und die Sonne schien hell. Das war der Tag, als wir das erste Mal miteinander sprachen. Da war diese Nähe, als würden wir uns schon ewig kennen. Die Zeit verflog. Es war etwas mit uns geschehen. Etwas Großes.

2
Sommer. Viele heiße Nächte voller Worte. Viele heiße Tage voller Stille. Nebel legte sich zwischen uns, als wären wir in anderen Welten zuhaus. War es nur ein Leuchtfeuer? Ein Moment, der nun erloschen war? Die Stille blieb.

3
Herbst. Die Welt wurde bunt – und wir mit ihr. Die Worte kehrten zurück und mit ihnen das Licht. Du warst mein Alpha und ich dein Omega. Jetzt schloss sich der Kreis. Es brauchte nur Zeit. Wir leuchten.

#frapalymo

Der Anfang

Siehst du den Mond über Soho, hatte er sie gefragt und nahm ihre Hand. Küsse waren die Antwort. Als er später neben ihr eingeschlafen war, lauschte sie seinem Atem.

#frapalymo

Zwischen den Zeilen
suche ich nach mir.
Irgendwo dort
habe ich mich verloren.
Irgendwo dort
muss ich doch noch
Fußspuren finden.

Wir sind alle Farben.

Du bist Anfang und Ende.
Du bist Gegenwart und Zukunft.
Du bist das Blau und das Gelb.
Du bist.

Ich bin Leben und Loslassen.
Ich bin Sonne und Regen.
Ich bin das Weiß und das Rot.
Ich bin.

Wir sind das Jetzt und das Morgen.
Wir sind alle Farben.
Wir sind ich und du.
Wir sind.

Angekommen (Anne IX)

Angekommen. Angekommen war Anne noch lang nicht. Nun war sie schon eine ganze Weile an diesem Ort, er war ihr Zuhause geworden. Und doch dachte sie wieder darüber nach wegzugehen, weiter weg denn je. Dabei war sie gar keine Wanderin. Sie fühlte nur tief in ihrem Inneren, dass dies nicht der Ort war, der sie halten könnte. Da fehlte was. Etwas, was keinen Namen trug. 

Weißt du noch?

Weißt du noch,
wie wir am Flughafen standen,
wie wir aufeinander flogen und dann zueinander hin?

Weißt du noch,
wie wir unter Kirschblüten lagen,
am Kiosk eine Tüte voll mit Schlickersachen holten
und zusammen S-Bahn fuhren?

Weißt du noch,
wie wir zusammen in Italien das Meer besuchten,
Cappuccino tranken
und Quellen suchten?

Weißt du noch,
wie wir am Crêpestand warteten,
und du mir die drei Worte ins Ohr flüstertest?

Weißt du noch,
wie wir im Bett lagen
und so für immer bleiben wollten?

Anne am Meer (X)

„Am Meer sitzen“, schrieb Anne in ihr Tagebuch, „viel mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.“ Natürlich war ihr klar, dass es mehr braucht. Und doch, das Meeresrauschen machte reich: Das Salz auf den Lippen schmecken. Den Sand zwischen den Zehen spüren. Das Rauschen ins Herz lassen. Den Wind durchs Haar wehen lassen. Vielleicht waren es diese Nebensächlichkeiten, die alles ein wenig leichter und auch glücklicher machte. Nicht viel selbst tun müssen, geschehen lassen. Das Gegenteil von Alltag.

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