Wir sind alle Farben.

Du bist Anfang und Ende.
Du bist Gegenwart und Zukunft.
Du bist das Blau und das Gelb.
Du bist.

Ich bin Leben und Loslassen.
Ich bin Sonne und Regen.
Ich bin das Weiß und das Rot.
Ich bin.

Wir sind das Jetzt und das Morgen.
Wir sind alle Farben.
Wir sind ich und du.
Wir sind.

Anne (II)

Es war ein Morgen wie jeder anderer.  Der Wecker klingelte viel zu früh. Und es bedurfte einer zweiten Aufforderung des Weckers bis sie aufstand. Der Himmel graute auf. Der Tag war noch ein Versprechen.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle spannte sie ihren blauen Regenschirm auf. Der Nieselregen würde ihre Locken sowieso schon genügend aufdrehen. Ihre Augenlider waren bleiernd, die Nacht zu kurz. Gedanken hatten sie schlaflos gemacht – über all das müsste und könnte doch.
Aber der Tag war gnädig zu ihr, denn der Bus kam als sie um die Ecke bog. Heute musste sie nicht warten. Die Welt zog an ihr vorbei. Der Tag im Büro begann. Doch die Gedanken hörten nicht auf. Sie spielte mit ihren Locken.
Wie gut wäre es, dachte Anne, sie könnte sich unsichtbar machen, aber ohne so einen doofen Umhang. Wer will den denn immer bei sich tragen? Eher wie ein Ein- und Ausschalten mit einer Geste, wie wenn man sich eine Strähne hinter das Ohr streicht.
Und schon im nächsten Moment strich sie sich eine Locke hinter das Ohr und stellte sich vor sie sei nun unsichtbar. Lächelnd nippte Anne an ihrem Kaffee. Endlich Ruhe.

Der Stein

Mein Leben lang truge ich diesen Stein mit mir rum. Schwer & hässlich. Ich weiß gar nicht, woher ich ihn habe oder seit wann. Er war einfach da.

Er ist mir mittlerweile vertraut geworden und hat seine Kanten verloren. Die Menschen erklärten mich schon für verrückt, wieso ich so einen großen, schweren Stein immer mit mir herum trage. Ich hatte aufgegeben mich zu erklären. Sie verstanden es nicht, dass mir der Stein wichtig geworden ist, weil er für mich besonders ist. Und nicht nur, weil man sich prima darauf setzen konnte oder er im Sommer durch die Sonne aufgeladen einen warmen Platz bot.

Zig Mal ist er mir schon runter gefallen. Und ich? Ich hob ihn immer wieder auf und steckte ihn zurück in meine Tasche.

Dann, er lag einfach so auf dem Tisch, platzte er nach all den Jahren einfach auf. Ich erschrak. Wie konnte das sein? Dieser Stein hat ein Innenleben?
Als ich ihn in die Hand nahm, waren es zwei Hälften. Es ist ein Amethyst. Lila. Funkelte. Wunderschön. Niemals hatte ich geahnt, dass sich so etwas schönes in diesem schweren Etwas verbarg.
Ich lächelte. Ich wusste, da ist etwas besonderes in diesem Stein.

Und wie ich ahnte, es war immer schon da, es hat nur auf den richtigen Moment gewartet.

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