Wir sind alle Farben.

Du bist Anfang und Ende.
Du bist Gegenwart und Zukunft.
Du bist das Blau und das Gelb.
Du bist.

Ich bin Leben und Loslassen.
Ich bin Sonne und Regen.
Ich bin das Weiß und das Rot.
Ich bin.

Wir sind das Jetzt und das Morgen.
Wir sind alle Farben.
Wir sind ich und du.
Wir sind.

Angekommen (Anne IX)

Angekommen. Angekommen war Anne noch lang nicht. Nun war sie schon eine ganze Weile an diesem Ort, er war ihr Zuhause geworden. Und doch dachte sie wieder darüber nach wegzugehen, weiter weg denn je. Dabei war sie gar keine Wanderin. Sie fühlte nur tief in ihrem Inneren, dass dies nicht der Ort war, der sie halten könnte. Da fehlte was. Etwas, was keinen Namen trug. 

Weißt du noch?

Weißt du noch,
wie wir am Flughafen standen,
wie wir aufeinander flogen und dann zueinander hin?

Weißt du noch,
wie wir unter Kirschblüten lagen,
am Kiosk eine Tüte voll mit Schlickersachen holten
und zusammen S-Bahn fuhren?

Weißt du noch,
wie wir zusammen in Italien das Meer besuchten,
Cappuccino tranken
und Quellen suchten?

Weißt du noch,
wie wir am Crêpestand warteten,
und du mir die drei Worte ins Ohr flüstertest?

Weißt du noch,
wie wir im Bett lagen
und so für immer bleiben wollten?

Nächte

Auf meiner Zunge liegt noch das Salz deiner Haut. Die Nähe, die wir empfinden ist tief und wahr. Es macht mich glücklich dich zu sehen, in deine Augen zu schauen und dich zu schmecken und zu riechen und dich mit meinen Fingern zu erkunden.
Du hast mich gefragt was die Liebe macht. Ich konnte es dir nicht sagen. In mir habe ich das Gefühl, dass wir mehr sind als etwas, was im Bett funktioniert. Wir funktionieren auch unter der Dusche, in der Küche, in der Nacht und am Tag.
Ich würde gern mein Leben mit dir teilen. Ganz. Meinen Alltag dir schenken. “Lass uns alltäglich, aber nicht gewöhnlich werden.” Ein Satz, der mir schon einige Tage nach unserem letzten Treffen durch den Kopf geistert.
Heute sagtest du, dass ich die bin, die deinen Körper am besten kenne. Für mich ist das wie eine Liebeserklärung. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie es sich jemand entgehen lassen kann, jeden Zentimeter von dir zu erkunden.

Diese Nacht, die wir durchquatschten im jenem Sommer, als ich dir erzählte, dass ich in Farben fühle. Irgendwie begann es dort damals, dort trafen wir uns wieder.
Die Monaten zogen ins Jahr. Es wurde wieder Frühling. Zwei Nächten schliefen wir eng umschlungen. Es passte alles zusammen. Es war einfach. Danach schien alles anders für mich. In mir fühlte es sich wahrhaftig an. Und alles, was nicht wahrhaftig war, schloss ich nach und nach aus meinem Leben aus. Ich konnte nicht anders.

Dann kam der Sommer. Die Nächte. In jeder hieltst du meine Hand beim Einschlafen. Wir redeten bis es hell war. Immer wieder. Flüsternd. Und dann diese eine Nacht. Voller Leidenschaft. Nur du & ich, der Mond und der Wald. Das veränderte mich wieder. Voll von dir.
Du fragtest mich, wie es weiter geht, dass du die Nähe nicht einfach an dir vorbei geht. Ob wir uns im Herbst wiedersehen. Wir schmiedeten Pläne. Du. Ich ahnte nicht, dass du es wahr machen würdest.
Das Treffen, das erste danach. Das war seltsam. Es passte nicht. Ich gehörte nicht zu deinem Alltag. Das war Alltag und nicht wahrhaftig. Und was nicht wahrhaftig ist, hast du mir gezeigt, lass ich sein.
Eine Winternacht – als wäre sie im Sommer. Gartenparty. Knutschen. Live Musik. Und du fragtest mich, ob ich nicht warten kann. Und du sagtest mir, dass du mich liebst. Ich weinte. Sehr. Am Morgen danach stellte ich mir zum ersten Mal uns vor. Ein Leben mit dir. Verwunderlich, dass ich es nie zuvor getan habe. Es überwältigte mich. Es machte mich glücklicher, als ich je zu hoffen gewagt hätte. Unerträglich glücklich.
Es folgte das neue Jahr. Wir schrieben uns. Du mir. Und wir trafen uns. Bei mir. Allein. Zum ersten Mal so richtig. Ohne Zufall. Mit Zeit. Nur wir. Und es war ein Genuss. Meine Finger erkennen dich wieder. Alles an dir. Kurzatmig.

Jetzt ist heute. Jetzt ist Leidenschaft. Es ist wieder Sommer. Wieder Nacht. Du kommst einfach in meinen Alltag. Ein wenig zu früh. Es dämmert noch. Doch dann atme ich dich. Schmecke dich. Rieche dich. Sauge dich ein. Das ist pures Glück. Alles.

Also frage mich bitte nicht mehr, was die Liebe macht, denn sonst müsste ich dir sagen, dass sie nichts macht, nur warten und nichts will – außer dich ganz.

Viele Farben Blau.

Manche Nächte sind dunkler. Der Tag klaut Stunden und füllt sie mit Gedanken. Jeder bringt eine andere Farbe mit. Am Ende bleibt immer nur das Blau. Zunächst wirkt es kühl, allein, traurig. Doch wenn der Mond leuchtet, die Sterne scheinen und selbst das Rot zur Ruhe kommt, wird deutlich wie warm und geborgen das Blau strahlen kann.

Die Perspektive wechseln. In blaue Augen schauen. In den blauen Himmel. Ins blaue Meer. Viele Farben Blau. Dann das Geheimnis erkennen und merken, dass selbst in allen anderen Dingen Blau stecken kann. Tief im Innen. Ein Gefühl, das mitschwingt, das nicht zu sehen ist, aber spürbar.

In der Erinnerung wird jede Nacht blau gewesen sein.

Auf den Punkt gebracht.

Zwischen dem was noch nicht ist und dem was schon war. Zwischen den Punkten auf der Lebenslinie. Im Farbenmeer versinken und auf dem Grund ankommen. In sich selbst wieder Halt finden und nicht mehr fliegen. Die Unendlichkeit auf den Punkt gebracht.

Parallel.

Reisen. Fern vom Alltagsgrau. Aus dem alten Leben ins neue. Von bekannten Orten in andere Welten.

Und sich immer wiederfinden. Zwischen den Linien, die sich nie treffen und doch ein Netz bilden.

Himmelblau.

An einem Sonntag.
Mit blauem Himmel und Sonnenschein.

Es wirkt fast so, als sei es doch ein wenig zerbrechlich, dieses perfekte Blau.

Eine Sehnsucht nach Zeichen macht sich breit, die dort oben nicht zu sehen sind, weil sie nur in mir zu hören sein werden.

Stille.

Zacken. Unabgebrochen.

 

Es ist Neujahr, ein Anfang, der schon vorher begonnen hatte. Auf dem Heimweg im Nieselregen, doch goldenen Zacken, die fast wie eine Krone aussehen, ragen in den grauen Himmel. Umhüllt mit einem sonderbaren Gefühl aus Vertrautheit und Leichtigkeit…

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