Anne (I)

Sie stand zwischen den Welten. Eine, die unterging und eine andere, von der sie nicht wusste, was auf sie zukommen mag. Es war eine Zeit des Ungewissen. Etwas, was nicht mehr ist und etwas, was noch nicht war.
Sie musste aufpassen, dass sie nicht mit dem Wind davon flog. Weit weg, gen Meer. Dort wo sich das Salz auf ihre Lippen setzte und es schmeckte, wenn sie an ihnen entlang leckte. Am Meer kannte sie auch den Wind, der sie antrieb und ihr durchs Haar strich. Es war eine Zeit, in der nur der Wind und das Meer als Konstante erschienen.
Und da stand sie nun, wartete auf den Bus, der sie nach Hause bringen würde. Niemand wartete dort auf sie. Nur ein Schweigen und ein paar welke Blumen, die gegossen werden mussten. Eigentlich, dachte Anne, ist das nicht ihr Zuhause, sondern nur der Ort, an dem sie wohnte.
Bei dem Gedanken wurde sie traurig. Worauf lohnt das Warten, wenn es nur auf den Bus ist?
Die Blumen konnten allein warten. Sie ging los, die Straße entlang, an der Kirche vorbei, am Supermarkt, bog in eine Seitenstraße ein, ging an vielen Häusern entlang und ging. Sie wusste nicht wohin, aber sie würde schon merken, wenn sie angekommen ist.

6 Kommentare zu „Anne (I)

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